Delegation in Sainte-Foy-la-Grande 2015

(Bericht Marion Kroppach-Frey)
Bei der Rückkehr aus dem sonnenverwöhnten Pays Foyen wurde die Delegation (bestehend aus Kreistagsabgeordneten und Mitgliedern des Partnerschaftsvereins unter Führung von Gesa Weiss aus der Kreisverwaltung und einem dreiköpfigen Vorstandsteam des Partnerschaftsvereins, das auch für die Übersetzungen sorgte) in der Wümmestadt von kühlem Nieselregen empfangen — jedoch hatten die Reiseteilnehmer von der einwöchigen Begegnung in und um Sainte-Foy-la-Grande so viel Sonne im Herzen, dass das heimische Wetter ihre Freude über das Erlebte nicht trüben konnte.
Dass das Treffen in der südwestfranzösischen Partnerregion in diesem Jahr überhaupt stattfinden konnte, war lange fraglich und nur dank unermüdlicher Überzeugungsarbeit von Seiten des neuen Vorsitzenden an der Spitze des französischen Partnerschaftsvereins (Amitiés Franco-Allemandes Sainte-Foy-la-Grande), Jacques Riglet, möglich geworden, der nach dem Wechsel an der Spitze vieler Rathäuser (infolge der Kommunalwahlen 2014) und angesichts leerer öffentlicher Kassen intensiv bei den neuen politisch Verantwortlichen um weitere Unterstützung des langjährigen deutsch-französischen Austauschs warb.
Das Besuchsprogramm führte die Landkreisdelegation also in mehrere Gemeinden (außer Sainte-Foy auch Eynesse, Pineuilh, St.-Antoine-de-Breuilh, St–Avit-St.-Nazaire, Pellegrue), wo in den Rathäusern die Gruppe bei einem kleinen Empfang vom jeweiligen Bürgermeister begrüßt wurde und Gastgeschenke ausgetauscht wurden.
All diese Gemeinden erhielten als Ausdruck der freundschaftlichen Verbundenheit eine verkleinerte Reproduktion der Collage „Amitiés des images – Bilderfreundschaften“ der Rotenburger Künstlerin Jeanette Clasen, das in Originalgröße bereits in den Rathäusern von Sainte-Foy und Rotenburg sowie im Rotenburger Kreishaus hängt. Es setzt sich aus vielen kleinen Fotos von früheren Austausch-Besuchen zusammen,wobei sich eine Art Landkarte von Südwestfrankreich bis Norddeutschland ergibt.
Einige Bürgermeister begleiteten die Gruppe auch über mehrere Stunden. Im unmittelbar an Sainte-Foy angrenzenden Ort Pineuilh kam bei der gegenseitigen Vorstellung auch moderne Technik zum Einsatz : so hatte eine Gruppe junger Leute aus Pineuilh eine Power-Point-Präsentation zum Schwerpunkt „Erfolgreiche Reduktion von Hausmüll in der Gemeinde“ erarbeitet, Partnerschaftsvereins eine Präsentation mit Bildern aus der Rotenburger Ausstellung „45+ Jahre deutsch-französische Partnerschaften im Landkreis Rotenburg“ von 2013, die sehr anschaulich einen Eindruck von den bisherigen Begegnungen gab und damit offensichtlich überzeugen konnte — das Eis war gebrochen.
Neben diesen Treffen mit den politisch Verantwortlichen standen natürlich auch das Eintauchen in landestypische Besonderheiten historischer und wirtschaftlicher Art (Stichworte :Wein, Schlösser, Kirchen) mit aktuellen Entwicklungen auf dem Programm, erwähnt hier auszugsweise :
So wurden drei Weinkellereien verschiedener Größenordnungen besichtigt, vom Familienbetrieb in historischem Schloss inmitten einer schattigen Parkanlage und mit kleinen überschaubaren Kellergewölben voller Fässer bis hin zum genossenschaftlichen Großbetrieb mit riesigen Tanks in großen Hallen.
Ein Museum der Papierherstellung in einer alten, romantisch am Fluss gelegenen Papiermühle bot nicht nur Einblicke in die historische Technik, sondern auch verblüffende Informationen zur Herkunft des Rohmaterials und der Konsequenzen für die Beschäftigten. Die Rolle der Protestanten in diesem Gebiet (war eine Hochburg der französischen Protestanten) und die heute noch übliche sprachliche Unterscheidung von Kirchen (katholisch) und Tempel (protestantisch).
Erwähnenswert sind auch zwei eindrucksvolle Initiativen : Château Bridoire : Die Rettung eines vom Vorbesitzer vernachlässigten und dem Verfall bedrohten Schlosses durch eine private Initiative, Restaurierung und aktuelle wirtschaftliche Nutzung : das Gelände ist für die Öffentlichkeit zugänglich (gegen Eintritt), einige Räume sind ansprechend in historischem Ambiente ausgestattet und zu besichtigen, eins der ehemaligen Wirtschaftsgebäude, der Hof und die umgebenden Freiflächen bieten eine Fülle von Spielmöglichkeiten mit historischem Charakter, besonders attraktiv für Familien mit Kindern, wie bei unserem Besuch zu sehen war. Besucher können auf Bestellung ein, wie wir selbst feststellten, sehr leckeres Picknick im Schatten alter Bäume im Schlosshof einnehmen
Ecopôle : Die Förderung nachhaltig arbeitender Wirtschaftsunternehmen (auch kleiner Firmen) mit einem ebenfalls nach Nachhaltigkeitskriterien angelegten speziellen Gebäudekomplex und Baugrundstücken auf dem Gelände einer ehemaligen Sandgrube, ein gemeinsames Projekt eines privaten Trägervereins und der Samtgemeinde.
Da der französische Nationalfeiertag (14.Juli) in die Besuchswoche fiel, konnte sich die Delegation mit ihren Gastgebern spätabends noch an einem herrlichen Feuerwerk am romantischen Dordogne-Ufer erfreuen.
Einige Mitglieder des französischen Partnerschaftsvereins (den Rotenburgern von vielen Besuchen vertraut) konnten wir während eines Mittelalterabends in Pellegrue in einer ganz neuen Rolle erleben : Bei einem Rundgang durch das Stadtzentrum wurden wichtige Etappen der Stadtgeschichte vorgestellt und durch kurze Spielszenen (darunter ein sehr dramatischer Schwertkampf!) von historisch kostümierten Darstellern veranschaulicht ( Eine Idee, die im Landkreis Rotenburg bei Gästeführungen und rund im und um das Heimathaus der Kreisstadt auch schon Fuß gefasst hat!). Der Name „Pellegrue“ weist auf durchziehende Kraniche (la grue) hin, die nach der Legende dank ihrer Wachsamkeit eine wichtige Rolle bei der Rettung der Stadt vor Invasoren gespielt haben sollen.
Zu unvergesslichen Erlebnissen wurden die Mahlzeiten im Freien, in großer Runde im Schatten alter Bäume, zu denen die Gastgeberfamilien regionale Spezialitäten nach eigenen Hausrezepten beisteuerten, nicht zu vergessen den Wein, oft den bei uns unbekannteren Rosé. So fühlt sich Sommer in Frankreich an !
Für musikalische Begleitung am ersten wie am letzten Abend sorgten Jugendliche vom Collège Elie-Faure, unterstützt von Laurent Perez (Jugendreferent im Bezirksrat der Gironde) und ihren Lehrerinnen, die seit 2013 in Rotenburg wohlbekannt sind, als erstmalig ein Projekt mit französischen lernschwachen Schülern in den BBS in Rotenburg realisiert wurde. Ein Besuch mit der neuen Schülergruppe in Rotenburg ist geplant, und beim Bummel über den Wochenmarkt in Sainte-Foy konnten wir feststellen, mit wie viel Engagement die Mädchen und Jungen ihre Reisekasse mit dem Verkauf von Kuchen und Lavendelbeutelchen aufbessern wollten.
Schwer beladen mit Geschenken der Gastgeber (und den selbst gekauften Souvenirs vom unglaublich vielfältigen Wochenmarkt in Sainte-Foy) nahmen die Delegationsteilnehmer Abschied von ihren Gastgeberfamilien. Auf Wiedersehen beim Gegenbesuch in Rotenburg !

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